So kompliziert, wie es tönt, ist es nicht. Neophyten sind Pflanzen,
welche erst nach Kolumbus zu uns gekommen sind. Invasiv heisst, dass sie
einheimische Pflanzen verdrängen. Zu den unerwünschten Pflanzen
gehören nordamerikanische Goldruten, das Himalaja-Springkraut (violett),
der Japan-Knöterich, die Ambrosia und sonst noch einige Pflanzen (wie
der runzelblättrige Schneeball). Die
Ambrosia
ist dabei ein Sonderkapitel.
Kartoffel und Tomate sind zwar mit/nach Kolumbus gekommen, sind also
Neophyten, aber sie sind nicht invasiv.
Zum Schmuck unserer Gärten wurden zwei kanadische Arten eingeführt.
Die „kanadische“ Goldrute S. canadensis und S. gigantea., die spätblühende
(„grosse“) Goldrute. Gigantea wird kaum über 120 cm hoch, Namen sind
Glücksache.
Wenn man der Audubon Society glaubt, warten in Amerika noch 123 weitere
Goldruten-Arten, wobei die Goldrutenbestimmung ähnlich schwierig ist,
wie die Bestimmung der Brombeeren. Andere Autoren reduzieren die Artenzahl auf 62.
Die kanadische Goldrute gehört (zuhause) in die Hochstaudenflur
der „Prärie“. Sie liebt besonnte trockene Flächen. Gegen den
Herbst sind (in Kanada) viele Stängel mit Gallen besetzt. Möglicherweise
begrenzt dies auch ihre Menge.
Ein Problem der Neophyten ist, dass sie fern der Heimat ungehindert
wachsen. Käfer und Raupen, welche sie als Leibspeise haben, fehlen
hier. Mit einem zusätzlichen Käfer -Import (oder anderen Insekten)
würden wir die Probleme kaum lösen, sondern noch zusätzliche
schaffen: Die Bekämpfung von Neophyten mit Neozooen ist problematisch.
Die Idee ist bestechend einfach: zuhause wird die Verbreitung einer Pflanzenart
meist auch durch „Schad“-insekten eingeschränkt; also kann sie hier
mit der Verbreitung dieser Insekten bekämpft werden; wozu eine einmalige
Freisetzung genügt – also billig, effizient und frei von Chemie. Zur
heimischen Kontrolle gehören aber noch viele andere Faktoren, wie
der ganze Rest der Pflanzengesellschaft, zu der die Art gehört. Schadinsekten
sind einigermassen futterstet, d.h. sie spezialisieren sich
auf wenige Futterquellen – was aber auch heisst, dass sie in einer anderer
Umgebung ihr Menü erweitern können. Dies und vieles andere mehr
sind die Gründe, wieso solche Experimente nur mit grossen Auflagen
bewilligt werden.
Weitere Probleme der Neophyten sind: mangelnde Stabilität von
Bachufern im Winter (Springkraut); kaum mehr auszurotten weil Wurzel, respektive
unterirdische Triebe, zu tief (Japan-Knöterich); Allergen: Riesenbärenklau,
Ambrosia; Verbastardierung mit einheimischen Pflanzen: Bärenklau;
Überträger von Nutzpflanzen-Krankheiten: verschiedene;
diese Liste ist beinahe endlos. Mit einigen Neophyten werden wir leben
müssen, da ihre Bestände bereits zu gross und beinahe flächendeckend
sind. Dazu gehört das kleinblütige Springkraut aus Sibirien,
das aus botanischen Gärten entwichen ist. Einige Kommissionen beschäftigen
sich, zum Teil schon seit Jahren, mit dem Thema: zum Beispiel Stichwort:
schwarze Liste.
Unsere Gemeinde hat 2005 eine Bestandesaufnahme veranlasst und nun
(einige Mitglieder schon seit Jahrzehnten) sind wir dran, den Überschuss zu
bekämpfen. Neu dabei ist, dass nicht nur die Naturschutzgebiete,
sondern die ganze Gemeindefläche behandelt wird.
Der Verein unterstützt die Arbeiten der Gemeinde und des Kantons
und hat die Standorte übernommen, an welchen nur einzelne Horste wachsen,
aber über die Gemeindefläche verteilt sind; dabei wird auch die
Verbreitungs-Karte verbessert. Die Gemeinde wurde in verschiedene Abschnitte
unterteilt und Mitglieder des Vereins sind daran, zu zupfen (reissen),
zu wandern und zu kartieren. Bei der Entsorgung grosser Haufen hilft uns
das Werkamt prompt.
Es gibt Flächen, welche sich der professionellen (maschinellen)
Bekämpfung entziehen, so auf Inseln im Hinterbergried. Andere Standorte
sind so sumpfig oder so verbuscht, dass sie nur zu Fuss erreicht werden
können.
Hinterbergried
Der Weiher entstand als Torfstich zwischen 1939-45. und ist inzwischen
ein kantonales Naturschutzgebiet. Das grösste Problem ist hier die späte Goldrute mit
dem purpur überhauchtem Stengel.
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Goldruten zupfen im Hinterbergried:
Die Inseln können nur mit dem Boot erreicht werden. Um aussteigen
zu können, wird ein Brett als Brücke gebraucht. Ein weiteres
Brett dient als Laufsteg auf der Insel.
Diese Inseln schwimmen teilweise.
Dabei war die ganze Familie Sambeth mit Boot, sowie Oskar
und Familie Bührer.
Am Schluss waren beinahe alle nass.
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| Goldruten „zupfen“ ist die sichere Variante. Damit wird zwar ein Teil
eines Naturschutzgebiets für kurze Zeit gestört und „vertrampt“
– aber die Kollateralschäden halten sich dabei in Grenzen. |
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Im 2007 fand die nächste Zupfaktion auf den Inseln statt.
Hauptbeteiligte: von links nach rechts Oskar Tschamper und Thomas Sambeth.
Die Torfmoosflächen, die 2006 gezupft wurden, waren nicht neu besiedelt,
ein erster Erfolg.
Der von Land zugängliche Rest wurde durch eine andere Gruppe erledigt.
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Für Gartenbesitzer:
Es gibt ausser den amerikanischen Goldruten (über hundert
Arten, wovon mindestens 2 eingeschleppt) auch die
einheimische
Goldrute (
Solidago virgaurea). Sie blüht
zur gleichen Zeit, also im September - und auch sie blüht gelb, zu
einer Zeit, in der die meisten anderen Stauden nur noch Früchte tragen.
Der Blütenstand ist weniger dicht und sie hat lieber mehr Schatten.
Bei uns wächst sie an Waldwegen. Mit pflanzen der einheimischen Goldrute
würde der Druck auf die Naturschutzgebiete abnehmen.
Der Vollständigkeit halber:
Das Neophyten-Problem beschänkt sich nicht auf Effretikon
oder die Schweiz oder Europa. Nordamerika hat Probleme mit unserem Blutweiderich.
Purple loosestrife ist dort ein Schimpfwort. Das Einschleppen geschah auch
als Gartenpflanze - und sie verdrängt drüben erfolgreich auch
den Rohrkolben. Für die riesigen Probleme mit der Mittelmeer Tamariske
in Canyons siehe Homepages der US-Nationalparks. Bei Problemen mit Rohrglanzgras
in Kalifornien habe ich wenig Verständnis (mangelnde Kläranlagen)
und für flächiges Totspritzen ab Helikopter in Florida noch weniger
(dies betraf australische Exoten, die um ein Offizierskasino gepflanzt
waren und sich über den ganzen See verbreiteten). Australien hat schon
lange Probleme mit Invasoren; die Kaninchen sind nur ein kleiner Teil der
Geschichte (es gibt auch "invasive Neozooen").
Was als Einheimisch gelten soll, beschäftigt auch die
Gelehrten. Vor 14000 Jahren war unsere Gemeinde total unter Eis. Also war
abgesehen von ein paar Gletscherflöhen und wenigen Eis-Algen niemand
da. Die weitere Geschichte füllt bereits Bände.
Neophytenbekämpfung ist allerdings entlang der Autobahn
und entlang von Bahnstecken eine Sisyphus-Arbeit – dies solange weder die
Betreiber der Auto- noch der Eisenbahn regelmässig die Goldruten schneiden.
Diese Flächen sind unserer Bekämpfung entzogen.
Entlang des Hinterbergrieds wurden die Goldruten der Autobahn im Jahre 2007 beizeiten entfernt, Besten Dank!
Kanadische Goldruten der SBB 2007
Im Jahre 2006 blühte auch der Vordergrund gelb. Diese Seite wurden
im 2007 geschnitten, ein Lichtblick!
Nachtrag:
Ich bin mir nicht sicher, ob es sich bei der „Solidago virgaurea“
bei Hamilton/Ontario (etwa N3°13'12", W79°48'00") wirklich um diese Art handelte.
Sie war ihr jedenfalls ähnlich. Solidago-Bestimmung ist etwas für Spezialisten!
Nachtrag 2009
Zwei Arten der Watchlist bereiten Probleme: der seidenblättrige Hartriegel (Cornus sericifolia
(alt C. stolonifera = der Ausläufer machende)) und der runzelblättrige Schneeball (Viburnum rhytidophyllum).
Beide Pflanzen tragen Beeren, die von Vögeln gefressen werden. Nach der Darmpassage landen dann
die Samen im nächsten Wald, wo sie gut gedüngt wachsen. Dieser Schneeball bildet inzwischen fast das
ganze Unterholz auf der Ostseite des Schlimpergs. Und beim Grendelbachbecken rücken die seidenblättrigen
Bestände (z.T. mit baumartigen Exemplaren) immer näher.
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